Den Boden in die Mitte nehmen

(Bauernzeitung 34-2010)

Eine Alternative für einen ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Ackerbau könnte das Akra-Düngungssystem sein.
Nährstoffkreisläufe werden ganzheitlich betrachtet. Einsparungen sind möglich.

Die öffentlichen Diskussionen um Klimawandel, Reduzierung diffuser Nährstoffeinträge in die Gewässer und der immer stärker werdende Zwang zu einer ökonomisch effizienteren Landbewirtschaftung, der sich aus den globalisierenden Weltmärkten ergibt, erfordern es auch, über neue alternative Düngungssysteme und Strategien nachzudenken und diese in der Praxis anzuwenden.

Die Firma Karner Düngerproduktion GmbH aus dem österreichischen Neulengbach hat mit Partnern in den letzten Jahren das Akra-Düngungssystem entwickelt.
Es wird seit über 15 Jahren im österreichischen Ackerbau erfolgreich angewendet. Auch in Deutschland wird in einigen Betrieben in den letzten Jahren mit diesem System experimentiert. Zu diesen Betrieben gehört auch die Neetzower Agrarhof Peenetal GmbH, gelegen am Peenetal im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern.
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Boden als Basis

Bei dem alternativen Düngungssystem steht die ganzheitliche Betrachtung des Ökosystems Boden – Pflanze – Witterungsverhältnisse im Vordergrund. Der Boden, der die Basis für die landwirtschaftliche Produktion bildet, steht dabei imMittelpunkt der Betrachtung.
Da der Boden ein komplexes System darstellt, muss er auch komplex betrachtet werden. Zur chemisch-physikalischen Erfassung des Wirkungsgefüges im zu bewertenden Boden wird die „fraktionierte Analyse" als analytisches Handwerkszeug eingesetzt. Diese Methode wurde in den 1960er Jahren von Prof. Georg Stefan Husz entwickelt.

Der Ansatz ist, dass jedes System der maximalen Entropie (geringste Potenzialunterschiede) entgegenstrebt. Je mehr Elemente das System enthält und je intensiver deren Interaktionen sind, desto stabiler (elastischer) ist es. Bei der „fraktionierten Analyse" werden neben den Nährstoffintensitäten (Konzentration in der Bodenlösung) die Nährstoffkapazitäten (Nachlieferungsvermögen, Vorräte) mit der Nährstoffdynamik, die sich unter anderem aus den Standortfaktoren ergeben, in einem Modell verknüpft. Mit dieser Bodenuntersuchungsmethode werden für jedes Element dynamische Informationen abgeleitet, das heißt Informationen, ob Nährstoffe ausreichend schnell nachgeliefert werden können, um die Pflanzenversorgung sicherzustellen. Weiterhin werden der Bereich von Basisparametern, der Sorptionskomplex und die gewonnenen Informationen zu den Kohlenstoff-Stickstoff-Parametern  bewertet. Die Einzelparameter werden in einem Analyseblatt zusammengefasst. Mit der Ermittlung der chemisch-physikalischen Parameter ist der erste Schritt für eine komplexe Bodenbewertung getan. Neben den Analysedaten gehen in das Modell für die Bodenbewertung Informationen über die Standortverhältnisse und die Bewirtschaftung in den vergangenen zehn Jahren ein (Abbildung). .

Individuelle Bewertung

Mithilfe eines computergestützten Rechenmodells wird für jedeProbe individuell eine Bodenbewertung vorgenommen. EinSchlüsselfaktor dabei ist die Berechnung der Verfügbarkeit der Stoffe. Diese wird, je nachdem um welche Nährstoffe es sichhandelt, vom pH-Wert, dem Humus-Tongehalt oder  anderen Faktoren beeinflusst. In der Auswertung werden die Nährstoffenicht mehr in mg/100 g Bodenausgewiesen wie in den deutschen Lufa, sondern in kg/ha. Es ist bekannt, welche Nährstoffmengen der Boden in pflanzenverfügbarer Form bereitstellen kann, und es ist bekannt, welche Mengen einer Fruchtart zur Erzielung eines bestimmten Ertragsniveaus benötigt werden.

Reichen die verfügbaren Mengen nicht aus oder sind deren Verhältnisse nicht im Optimalbereich und können nicht schnell genug aus dem Reservepool des Bodens verbessert werden, müssen die Nährstoffe zugeführt werden. Genau hier setzt das Akra-Düngungssystem an.

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